Startseite Übungen/Ausbildung 2010 Internationale Strahlenschutzübung in Spanien
Internationale Strahlenschutzübung in Spanien Drucken E-Mail

 

Ehrenamtliche Helfer der Spezialeinheit Bergung ABC (SEB-ABC) aus den Teileinheiten des THW im Geschäftsführerbereich Hannover nahmen Ende Juni an einer Großübung der Europäischen Union in Madrid teil.

(Madrid) Zum Ende der spanischen EU-Ratspräsidentschaft fand in der Zeit vom 24. bis 27. Juni 2010 eine internationale Großübung statt, bei der es um das Schadenmanagement nach Unglücksfällen unter Beteiligung radioaktiver Präparate ging. Neben den lokalen und überörtlichen Hilfsorganisationen rund um die spanische Hauptstadt wurden, so sah es die Übungslage vor, über das EU-Gemeinschaftsverfahren auch Spezialisten aus Frankreich, Portugal, Belgien, Italien, Griechenland und Deutschland angefordert. Die Teams waren unterschiedlich ausgerichtet und hatten unter anderem die Aufgaben Technische Hilfe im kontaminierten Gebiet (Deutschland / Belgien),  Messen, Spüren und Evaluieren (Italien / Belgien / Griechenland), Dekontamination von Einsatzkräften, Zivilpersonen, Verletzten und Gerät (Frankreich / Griechenland) sowie die psychosoziale Betreuung von Betroffenen und Angehörigen (Portugal).

Das deutsche Team setzte sich während der viertägigen Veranstaltung aus zehn THW-Mitgliedern der SEB-ABC aus den Ortsverbänden Ronnenberg, Burgdorf, Hameln und Wunstorf zusammen. Neben verschiedenen Schutzbekleidungen und Atemschutzgeräten gehörten Mess- und Überwachungsgeräte zum Eigenschutz, sowie Ausstattung zur Rettung von Eingeschlossenen und zum Transport von Verletzten aus Schadenstellen, zur Ausrüstung der ABC-Spezialisten. Die Unterbringung aller ausländischen Einsatzkräfte erfolgte an der spanischen Zivilschutzschule vor der Toren der Hauptstadt.

Während der Donnerstag und der Freitagmorgen für die Vorstellung der Teams sowie den Abgleich von Einsatzgrundsätzen, Sicherheitsregeln bei Strahlenschutzeinsätzen und Führungsvorgängen zur Verfügung stand, übten die ausländischen Einsatzkräfte ab Freitag Mittag gemeinsam. Unter anderem wurde eine Lage angenommen, bei der ein U-Bahnzug auf einem Bahnübergang mit einem Transporter kollidiert war, der radioaktive Präparate geladen hatte. Hier nahmen auch Spezialkräfte der spanischen Polizei und Militäreinheiten für die Katastrophenbekämpfung teil. Den THW-Kräften fiel die Aufgabe zu, die Verletzten im kontaminierten Bereich zu retten und bis zum Sichtungsplatz vor der Dekontaminationsstelle zu transportieren.

Zentrales Ereignis war jedoch die Flughafenübung am Samstag, an der über 750 Einsatzkräfte teilnahmen: Auf dem drittgrößten europäischen Flughafen Madrid Bajabas war der Absturz einer Boing 727 im Landeanflug angenommen wurden. Aufgrund unglücklicher Umstände wurde dabei ein Gebäude beschädigt und radioaktive Präparate im Rahmen eines Brandes freigesetzt bzw. deren Umhüllung beschädigt. Knapp 150 Personen wurden verletzt.

Unter Leitung des spanischen Zivilschutzes wurde die komplexe Einsatzlage koordiniert. Die Atombehörde überwachte den Einsatz aller Kräfte im kontaminierten Gebiet. Gemeinsam mit einer spanischen militärischen Rettungseinheit, rettete und evakuierte die Flughafenfeuerwehr alle Verletzten, nicht eingeschlossenen Personen aus dem Flugzeug und dem betroffenen Lagergebäude. Die Verletzten wurden auf dem Vorfeld gesichtet, dekontaminiert und erstversorgt.

Das THW-Team erhielt die Aufgabe, das Areal nach weiteren Personen abzusuchen und diese gegebenenfalls zu befreien und zu retten. Im Anschluss dokumentierten und identifizierten Polizeieinheiten die Verstorbenen und werteten die Ergebnisse kriminologisch aus. Auch hier kam das THW zum Einsatz. Im Zuge der Identifizierung und Leichenbergung unterstützen zwei Trupps der SEB-ABC die spanischen Kriminaltechniker im kontaminierten Bereich. Nach gut einer Stunde war auch diese Aufgabe der deutschen Spezialeinheit erledigt.

Spanische Polizei- und Militäreinheiten übernahmen mit französischen militärischen Zivilschützern die Dekontamination der Einsatzkräfte und Verletzten. Betreut wurde die Übung von Kräften des Madrider Rettungsdienstes. In einem abgetrennten Teil des Flughafens betreuten spanische und portugiesische Psychologen die Betroffenen und Angehörigen.

Eine besondere Herausforderung war der Einsatz unter Atemschutz und mit Schutzanzügen bei Temperaturen von 37° C (Freitag) und 32°C (Samstag). Während viele Einheiten isolierende Schutzanzüge verwendeten, setzte die SEB-ABC auf die semipermeablen Schutzanzüge (ABCF) und machte sehr gute Erfahrungen damit. Vor Ort fand der Anzug großes Interesse, da außer den THW-Kräften lediglich die Guardia Civil über vergleichbare Schutzausstattung verfügte. Die ABC-Schutzmasken in Kombination mit Trinkrucksäcken, wie sie bei der SEB-ABC erprobt wird, fand bei der Flughafenfeuerwehr großes Interesse.

Für die THW-Helfer, die als einzige Ehrenamtliche an dieser umfangreichen Übung teilnahmen, war das Szenario und besonders die äußeren Bedingungen ein interessante Herausforderung.

Text: Cedrik Schlag / Bernhard Rodeck

Bericht auf der Seite des Landesverbands Bremen/Niedersachsen

 

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Autor: Cedrik Schlag (01.09.2010 um 08:22) | aktualisiert am 10.09.2010 um 08:44